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Sonntag, 5. Oktober 2014

Die Finanzindustrie verändert sich - aber zum Besseren?

Wer derzeit die weltweiten Nachrichten rund um die Finanzindustrie verfolgt, wird sich nicht nur in Österreich die Frage stellen, tragen all die Reformen und neuen Vorschriften Früchte?

Es ist natürlich immer schwierig abzuschätzen, welche Maßnahmen welche Auswirkungen mittel- und langfristig auf uns und die reale Wirtschaft haben. Daher möchte ich an Hand drei konkreter Beispiele versuchen, eine Antwort zu geben:

- mein erstes Beispiel betrifft die Neuorganisation des Volksbankensektors, vor allem die Abwicklung des Spitzeninstitutes ÖVAG. Ich selbst war ja mehrere Jahre in der ÖVAG tätig und verfolge daher noch mit einem gewissen Interesse die Geschicke des Sektors. Die Entscheidung das Spitzeninstitut als "Bad Bank" abzuwickeln und die Bank Konzession einzustellen finde ich gut, wenn auch sie schon früher hätte kommen müssen. Das wäre für alle Beteiligten kostengünstiger gewesen. Ich habe schon 2010 die Frage gestellt, wie viele Spitzeninstitute braucht eigentlich der österreichische Finanzplatz und welche Geschäftsmodelle sind langfristig überlebensfähig?
       Nachdem die ÖVAG die Fristentransformation nicht geschafft hat und auch als Konsortialpartner für die einzelnen Volksbanken nicht mehr risikotragfähig ist, hat sich das Ende abgezeichnet. Dass damit eine Reform des ganzen Volksbankensektors einhergeht, bedauere ich, weil ich fest davon überzeugt bin, dass gerade in der heutigen Zeit der genossenschaftliche Ansatz sehr viel Berechtigung besitzt und man sich überlegen sollte, wie ein Genossenschaftsmodell des 21.Jahrhundert anschauen könnte, al a Yunus Grameen Bank.

- mein zweites Beispiel führt mich in die US. Dort hat die US-Notenbank FED, die für die Aufsicht der Banken in Amerika zuständig ist, Experten angestellt und direkt in den Banken selbst eingesetzt, um eine bessere Kontrolle zu haben. Einer dieser Experten war Carmen Segarra, der die Aufgabe zuteil wurde Goldman Sachs zu kontrollieren. Als Sie Ungereimtheiten , vor allem was das Verhalten von Mitarbeitern der Bank gegenüber anderen Marktteilnehmer betrifft, aufdeckte, wurde sie kurzer Hand gefeuert. Ein klares Indiz für mich, dass heute stärker den je, große  Finanzinstitute versuchen den Druck zu reduzieren und dass, wie schon zu Enrons Zeiten, Whistlerblower nach wie vor gefeuert werden.  Somit hat sich eigentlich seit den 90er Jahren, wie in meinem Buch "Verlorenes Vertrauen" beschrieben, wenig geändert.

- mein drittes Beispiel betrifft die Neuregulierung der Bankenaufsicht auf europäischer Ebene. Ab dem 4.November soll ja die europäische Zentralbank die Aufsicht über "systemrelevante Institute" in ganz Europa übernehmen. Wie das genau funktionieren soll, und wer nach dem 4.November noch für welche Prüfungshandlungen lokal zuständig ist, ist noch unklar. Meiner Erfahrung nach verbessert sich die Situation nicht, wenn statt zwei  nun drei unterschiedliche Aufsichten verantwortlich sind. Ein klares Prinzip in der Wirtschaft besagt nämlich, dass Verantwortung und Funktion am besten an einer Stelle gebündelt werden sollen. Also auch hier orte ich nicht eine Verbesserung der derzeitigen Situation.

Zusammenfassend fällt mein Fazit eher ernüchternd aus: während die Politik uns weismachen machen will, dass sich alles zum Besseren wendet und die Finanzkrise überstanden sei, fürchte ich, dass wir noch  länger als uns lieb ist, mit den Folgen dieser Krise und ihrer Bewältigung auseinandersetzen werden müssen!


Sonntag, 2. Dezember 2012

Stoppt den Schuldenaufbau!


Die Aufforderungen und Rufe nach einer europäischen Bankenaufsicht nehmen an Lautstärke zu. Damit meint die Politik, die Krise in den Griff bekommen zu können. Leider ist dieser Ansatz drastisch verkehrt. Auch Politiker irren hier und stützen sich auf völlig falsche Tatsachen. Diese Vorgehensweise kann bereits als fahrlässig eingestuft werden.

Wo geht die Politik hier in die Irre? Die These, die Politiker uns glauben machen wollen: Es gäbe Banken, die für das gesamte System so sehr relevant sind, dass sie um jeden Preis gerettet und gestützt werden müssen. Mit diesen Argumenten rechtfertigen sie die enormen Schulden, die von einem Staat aufgenommen werden müssen, um eben diese Banken am Leben zu erhalten.

Die Wahrheit ist  jedoch eine ganz andere. Es verhält sich genau umgekehrt. Denn je größer eine Bank, desto schwieriger ist es, sie vollständig aufzufangen, wenn sie sich bereits in großen Schwierigkeiten befindet. Der Beweis: Die drastisch steigenden Summen, die notwendig wurden, um Banken dieser Größe zu retten. Ich  fordere daher einen sofortigen Stopp dieser Art von Schulden. Und weiter, dass Banken in solchen Situationen auch strukturiert abgewickelt werden können, dass also ein geordnetes Konkursverfahren für Banken in Schräglage angeordnet werden kann. 

Ein solches Gesetz zur Abwicklung einer Bank wäre wesentlich dringender als die Etablierung einer neuen pan-europäischen Aufsichtsbehörde!

Freitag, 4. März 2011

Warum SiFi's ins Sience Fiction Reich gehören

Es ist interessant dass Wirtschaftswissenschaftler und Politiker den gleichen Fehler immer wieder machen, das Zauberwort heisst nun SiFi - oder systemically important financial institution - was man wohl mit systemrelevantes Finanzinstitut übersetzen kann.

Es ist erstaunlich, Wissenschaftler und Politiker, trotz besserem Wissen an einem Konzept festhalten, das sich als falsch herausgestellt hat. Wie ich bei einem meiner letzten 5Sterne Vorträge und ausführlich im meinem Buch ausgeführt habe, ist der Glaube, an Systemrelevanz von den Ratingagenturen erfunden worden. Diese sind von der volkswirtschaftlichen Theorie ausgegangen, dass es Finanzinstitute geben musss, die so groß und bedeutend sind, dass sie nicht untergehen können. Dieser Glaube hielt als " too Big to fail" Konzept in das Denken von Wissenschaftler und Politiker Einzug. Leider ist er nicht nur falsch sonder auch gefährlich und sollte in das Reich des Aberglaubens verbannt werden.

Wie ich in meinem Buch klar herausgearbeitet habe, ist ein Grund warum wir in diese Krise geschlittert sind, die falsche Annahme man müsste grosse Banken durch den Steuerzahler retten.
Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Um das Finanzsystem Aufrecht zu halten, müsste man eigentlich die Institute in einem geordneten Konkursverfahren schicken und nur die Sparer für ihre Einlagen entschädigen, nicht aber die Eigentümer und Vertragspartner für ihre riskanten Handelsgeschäfte. Erst dadurch kann sich eine Wirtschaft nachhaltig von einem Tsunami erholen.

Leider ist diese Vorgangsweise nicht sehr populär und daher für Politiker nicht machbar. Genau wie einst die Akteure das schnelle Geld suchten, sind die Politiker auf die schnelle Stimme aus. Aber warum das Basler Kommittee ebenfalls in die gleiche Kerbe schlägt und SiFis nicht ins Reich der Fiktion verbannt, ist für mich nicht nachvollziehbar.