In meinem Blog gebe ich Einsichten und Ansichten zu den Finanzmärkten - kritisch, ungeschminkt und top aktuell. Als Autor und Finanzexperte geh ich den Dingen auf den Grund.
Samstag, 1. September 2012
Spannende Finanzvorträge über Genies und Verbrecher, das Ende des Euro und eine Tsunami-Welle, die rollt und rollt
Dienstag, 23. August 2011
Griechenland ist abgebrannt -aber was tun?
Die Frage die sich alle derzeit stellen, ist die Frage ob Griechenland das erste Opfer einer Welle ist, die ähnlich einem Tsunami wieder über die Finanzwelt hereinbricht oder kann durch die Rettung Griechenlands die Welle gestoppt werden?
Um diese Frage fundiert beantworten zu können, muss man sich mit der Entstehung der Krise beschäftigen und welche Kräfte in einem solchem Tsunami wirken. Ich habe in den letzten Jahren durch die Analyse der größten Finanzkrisen des 21.Jahrhunderts ein Modell entwickelt, das vielleicht Aufschluss darüber geben kann. Natürlich handelt es sich bei diesem Modell nur um eine
vereinfachte Form der Wirklichkeit trotzdem sind einige Aussagen, die man daraus ableiten kann, auch auf die derzeitige Situation anwendbar.
Eine der ersten Aussagen, die ich schon letztes Jahr publiziert habe, ist die Annahme, dass die Eurorzone in zwei Währungsblöcke verfallen wird. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meinem Modell ist nämlich, dass durch die
internationale Vernetzung der Finanzwelt und durch den bewusst forcierten Abbau von Schranken und Kontrollen unter der Reagan Area, die Möglichkeit national einzugreifen, nicht mehr gegeben ist. Wie muss man sich das vorstellen? In den 90er Jahren wurde unter dem Titel "Neoliberalismus" die Finanzwelt revolutioniert und damit auch die Türen und Toren geöffnet für innovative Produkte wie CDOs (Credit Default Obligations) CDS (Credit Default Swaps), ABS (Asset Backed Securities ) und wie sie so heißen mögen. Damit wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der ähnlich einem Erdbeben im Meer, eine Welle von zerstörerischen Kräften auslöste. Als nun diese Welle die ersten Schäden unter der amerikanische Wirtschaft anrichtete, musste der amerikanische Notenbank Chef Alan Greenspan mit Schrecken feststellen, dass er nicht mehr in der Lage ist die Situation in den Griff zu bekommen. Durch die globale Vernetzung der Finanzmärkte und die damit verbundene rasche Weitergabe von Finanzprodukten, die Warren Buffet trefflich als "Instrumente der Massenvernichtung" bezeichnet hat, war die amerikanische Regierung nicht mehr in der Lage schützend einzugreifen.
Was heisst dies nun auf die heutige Situation in Europa? Die Politiker in Eurpoa mussten durch Irland und Griechenland zu nächst einmal schmerzhaft feststellen, dass ein einzelnes Land mit der Krise nicht mehr umgehen kann und
haben daher in einer ersten Panik beschlossen landerübergreifend zu agieren und einen europäischen Schutzschirm aufzuspannen. Jedoch haben sie sich viel zuwenig mit der wahren Ursachen beschäftigt. Denn hätten sie das, wären sie darauf gekommen, dass wann immer in der Vergangenheit versucht wurde das Risiko auf die nächst höhere Ebene zu übertragen, sich das Problem nur noch weiter verschärft hat. Dies ist die nächste Erkenntnis aus meinem Modell: Die Idee mit Geld und Garantien auf europäischer Ebene das Problem zu lösen, funktioniert so leider nicht. Es ist als ob man ein Feuer mit Benzin löscht und man sich dann wundert, warum es umso stärker brennt. Wenn man diese Zusammenhänge einmal verstanden hat, wird einem klar, dass die Lösung nur sein kann, die enormen Geldmengen die man aus Verzweiflung und Panik in das System gepumpt hat, wieder aus dem System zu nehmen. Also anstatt Schulden auszubauen sollte man Schulden abbauen. Nachdem mittlerweile sich aber ein unabbaubarer Schuldenberg europaweit angehäuft hat und auch durch Sparmassnahmen beim besten Willen diese Schulden nicht getilgt werden können, besteht die einzige Option, durch eine Währungsreform die enormen Belastungen zu kürzen. Daher wird es meiner Meinung nach unumgänglich sein, dass sich die Politiker in Europa mit dieser Option auseinandersetzten auch wenn dies im ersten Blick utopisch klingen mag. Je früher, desto besser für uns alle!
Sonntag, 22. Mai 2011
Weiß doch jedes Kind, dass Banken unsicher sind
In meinem Blog "Euro oder Neuro" vom November 2010 habe ich bereits auf die Möglichkeit hingewiesen, dass der Euroraum in eine zwei Klassengesellschaft zerfallen könnte - jene Staaten mit guter Bonität behalten den Euro und jene mit schlechter treten aus und bilden den "Neuro".
Ich wurde diesbezüglich heftig kritisiert und diese These wurde in das Reich der Fantasie abgetan - in einem Interview im Stern vom 24.03.2011 antwortete Georgios Papandreou auf folgende Frage des Journalisten "Warum tritt Griechenland nicht aus dem Euro aus und führt die Drachme wieder ein? - GP: "unsere Schulden in Europa würden sich damit faktisch verdoppeln, die Menschen ihr Geld ausser Landes bringen. Die Folgen wären ein zweigeteiltes Europa: die reichen Länder im Norden - und die anderen im Süden. Es wäre eine Katastrophe für Europa und das Ende des Euro".
Was also noch im November als Utopie abgetan wurde, ist jetzt Realität. Griechenland wird seine Schulden nicht zurück zahlen können. Italiens Bonität wird herabgestuft und der Zerfall der Währungseinheit immer wahrscheinlicher. Und in diesem Szenario schwören uns die Politiker und Notenbankexpeten auf die Notwendigkeit ein, dass Griechenland gestützt werden muss damit der Bankensektor nicht zusammenbricht. Ein sogenannter Haircut (also Abschlag) ist damit nicht möglich. Ich halte dieses Argument für falsch und für gefährlich. Wenn Banken auf Grund des höheren Zinssatzes bereit waren Griechenland Anleihen zu kaufen dann müssen sie auch bereit sein das Risko eines Abschlages in Kauf zu nehmen. Die Risikoprämie heißt deswegen Risikoprämie, weil damit auch der mögliche Ausfall abgegolten wird. Eine Risikoprämie zu kassieren, aber dann das Risiko auf den Steuerzahler abzuschieben, ist fatal und falsch. Damit werden die reinigenden Kräfte und damit eine Neurodnung im Bankensektor unmöglich gemacht. Die Zeche dafür werden nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder zahlen müssen. In Zukunft wird es heissen: "Weiß doch jedes Kind, dass Banken unsicher sind"
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Too good to be true
Die erste Aussage, die ich kritisch hinterfrage, ist die Annahme, dass es so etwas wie systemrelevante Institute gibt. Unsere Politiker heften es sich auf ihre Fahnen, dass sie das Finanzsystem gerettet haben. Hier ist das letzte Urteil noch ausständig. Alles was ich bis jetzt beobachten konnte ist, dass das Risiko von einzelnen Eigentümern auf die Allgemeinheit übertragen worden ist. Die Rechnung wurde noch ohne dem Wirten gemacht.
Die zweite Aussage, die ich sogar als bewusste Irreführung bezeichnen möchte, ist jene, dass der Euroraum nicht mehr aufgelöst werden kann. Eine nette Geschichte, aber leider überhaupt nicht wahr. Die Idee eine europäische Anleihe zu begeben und damit die Schwierigkeiten einzelner Staatshaushalte zu lösen, ist absurd und kurzsichtig. Die Gefahr ist viel größer. Wir löschen derzeit das Feuer mit Benzin. Wir leiten immer mehr Geld in das System anstatt Geld, so schmerzhaft es auch sein mag, wieder aus dem System zu nehmen. Ein Spiel mit dem Feuer.
Zu guter Letzt ist das noch der Irrglaube, dass eine solche Krise ein Jahrhundertereignis sei und daher nicht so schnell wiederkommt. Ich sage nur - too good to be true - nach meinem Modell des Tsunamis, beschrieben in meinem Buch, baut sich die nächste Welle gerade auf. Es ist daher nicht eine Frage der Zeit, sondern vielmehr eine Frage, wie schnell die einzelnen Elemente ineinander greifen können bis wir den nächsten Tsunami erleben. Ich traue mich sogar zu wetten, dass wir alle diesen sehr bald und nicht erst in 100 Jahren erleben werden.
