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Freitag, 11. Juli 2014

Wir haben die Banken nicht im Griff, was läuft schief?


Weder Österreich, Argentinien noch Portugal haben die Banken  fest im Griff. Es ist sehr wahrscheinlich das sich die Krise weiter ausbreitet. Trotz Milliarden Euro Hilfspakte und strengeren Kontrollen des Bankensystems hat sich  die Situation verschlechtert. Was läuft schief?

Anfang dieser Woche konnte man im Standard folgende Überschrift lesen: Die Erste Group schockiert mit der der Ankündigung eines Rekordverlustes ihre Aktionäre. Woraufhin nicht nur die Aktien der Bank einbrachen, sondern der gesamte ATX. Erstaunlich wie sich die Schlagzeigen gleichen. Im Oktober 2010 titelte Die Welt: Erste Group schockt mit Gewinnwarnung. Es ist also offensichtlich, dass trotz Rekordabschreibungen, Milliarden Unterstützungen des Staates, Stresstests der Aufsichtsbehörden und Beteuerungen des Management, sich die Situation verschlechtert, der Bankensektor in Österreich seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und weiterhin sehr krisenanfällig ist.

Inwieweit die Finanzkrise uns auch weiterhin im Griff hat, zeigt sich am Beispiel Portugals. Nur wenige Monate nachdem heuer das Land aus dem europäischen Rettungsschirm entlassen worden ist und auf festen Beinen stehen sollte, wächst die Sorge um die größte portugisische Privatbank Espirito Santo. Medienberichten zur Folge soll die Bank mehr als 7 Milliarden Euro Schulden haben, die sie nicht zurückzahlen kann. Es ist zu bezweifeln, dass Portugal, das gerade den Rettungsschirm verlassen hat, genügend Mittel aufstellen wird können um  die Bank zu retten. 

Das dritte Sorgenkind ist Argentinien. Trotz WM Euphorie ist die Lage sehr ernst. Argentinien steht nämlich kurz vor der Staatspleite. Argentinien durchläuft eine schwere Wirtschaftskrise, die geprägt ist von hoher Inflation, stockendem Wachstum und einer drohenden Staatspleite. Bis zum 30. Juli muss sich das Land mit zwei Hedgefonds einigen, die mehr als 1 Milliarde US-Dollar fordern. Zahlt es die Investmentfonds aus, würden weitere 15 Milliarden Dollar fällig. Das Land wäre dann faktisch Pleite.

An diesen Beispielen wir offensichtlich, dass die Massnahmen, die die Politiker und Notenbänker in den  letzten Jahren eingleitet haben, nicht greifen, sondern eher die Situation verschlechtern. Die Zeche müssen aber nicht mehr nur wir, sondern in Zukunft auch unsere Kinder zahlen. Ein Zustand der zum Denken anregt.

Sonntag, 13. Mai 2012

Die Kernfrage ist - wem können wir noch vertrauen?

Am Dienstag (15.Mai 2012) findet die Hauptversammlung (HV) der Erste Group statt. Hier sollen laut Börse-Express die bilanzielle Behandlung des CDS-Portfolios und die damit zusammenhängende Informationspolitik an die Aktionäre thematisiert werden. Ich hoffe nur, es werden die richtigen Fragen gestellt?

Auf den ersten Blick mutet das Thema "Credit Default Swaps (CDS) und die richtige Abbildung in einer Bank-Bilanz" eher nur für Spezialisten und daher als langweilig an. Ist es aber nicht, ganz im Gegenteil. CDSs sind Versicherungen auf den Ausfall von Anleihen. Ursprünglich als Absicherungen von Gläubigern gedacht, entwickelten diese bald ein Eigenleben und bekamen Spekulationsinstrumente für Hedge Fonds und Banken im grossen Stil. So weit so gut, aber wo liegt das Problem?

Die Frage, die nun in der HV am 15 . Mai diskutiert werden soll, ist die, wie diese CDSs in der Bilanz aufscheinen und damit, wie der Anleger über das konkrete Risiko informiert wird. Hierzu muss man wissen, dass man sich seitens der Wirtschaftsprüfer auf internationaler Ebene geeinigt hat, dass CDSs gleich wie alle anderen Spekulationsinstrumente mit ihrem Marktwert bilanziert werden sollen. In Österreich jedoch, war man der Auffassung, dass CDSs gleich wie Garantien für Dritte  bilanztechnisch behandelt werden sollen und daher nur unter dem Strich (also nicht in der G&V)  auszuweisen sind. Zwei sehr unterschiedliche Auffassungen mit erheblichen Auswirkungen auf die Profitabilität einer Bank.

Nun ergeben sich aber aus dieser Tatsache doch einige interessante Frage, die es sich lohnt zu stellen: Die erste Fragestellung meiner Meinung müsste an die Wirtschaftsprüfer der Erste Group gerichtet werden, warum diese den internationalen Vorgaben nicht gefolgt sind und eine abweichende Meinung zur Darstellungsform akzeptierten? Die zweite Fragestellung müsste man dann an die Analysten stellen, warum  in keinem Analyse- Bericht das CDS Risiko erwähnt wurde, wenn doch jeder avisierte Leser einer Bank-Bilanz davon Kenntnis gehabt haben müsste? Die dritte Frage geht dann sicherlich an das Management, wie den sie das Risiko des Portfolios intern beurteilten, wenn es  nicht mit Marktkursen verglichen wurde?

Sie sehen, drei einfache Fragen, die aber sehr viel Aufschluss darüber geben, wie Risiken in einer Bank behandelt werden. Mich wundert es nicht, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in  das  Finanz-System verlieren, wenn alle notwendigen Instanzen (Wirtschaftsprüfer, Analysten, Management und selbst die Aufsichtsbehörden) kein klares Bild über das eingegangene Risiko einer Bank mehr haben. Hinter der speziellen Frage über die konkrete Darstellung eines CDS Portfolios in einer Bank  versteckt sich die Kernfrage an unser Finanzsystem - wem können wir noch vertrauen? Ich bin gespannt auf die Antworten, die wir in der HV der Erste Group am 15. Mai dazu bekommen werden.