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Mittwoch, 18. Juni 2014

Warum Dollars aus China an Wert gewinnen

China ist anders und vor allem anders als wir in Europa denken. China wird nicht nur als Absatz- und Produktionsland eine immer wichtigere Rolle spielen, sondern auch als Geldgeber.  Jene Unternehmer, die sich darauf schneller einstellen, werden die Gewinner sein.


Eine noch weit verbreitete Meinung in Europa ist, das Chinesen nicht innovativ sein können. Hier ist meine Erfahrung eine andere. Die neue Generation von Chinesen ist nicht nur sehr marktwirtschaftlich eingestellt, sondern auch sehr innovativ. So entstehen derzeit sehr interessant Geschäftsmodelle in Shanghai zum Beispiel, wo junge Unternehmer Start-ups gründen und diese dann nicht nur in China selbst, sondern auch in Europa im Markt etablieren.  So hat erst kürzlich ZTE, einer der innovativsten Smartphone Hersteller in China, seine Zentrale für Europa in Wien eröffnet.

„Revolution“ in China
Neben den Ideen haben auch die Chinesen das Geld, um ihre Geschäftspläne zu verwirklichen. Gerade die Börsen in Shenzhen und Shanghai boomen, weil wenige Chinesen ihr Geld im Ausland veranlagen können. Aber auch das wird sich sehr rasch ändern. Am Rande des Nationalen Volkskongresses hat Zentralbankchef Zhou Xiachuan gerade eine Revolution verkündet. Banken und andere Dienstleister in China werden sehr bald den bislang staatlich fixierten Zinssatz selbst bestimmen dürfen. Damit lockert die chinesische Führung ihre strikte Geldpolitik wesentlich auf. Auch ist es geplant, dass der YUAN eine freie Währung und auf verschiedenen Börsenplätzen in der Welt gehandelt werden soll.  Bis jetzt wäre dies unvorstellbar gewesen.

All diese Entwicklungen haben meiner Meinung nach zur Folge, dass chinesische Dollar auch für europäische Unternehmer immer wichtiger werden. So wird China in Zukunft nicht nur High-Tech-Produktionen, anstatt billige Lohnverarbeitung anbieten können, sondern auch sehr viel Geld, um sich an Unternehmen zu beteiligen und sich in attraktive Märkte einzukaufen. Jene europäische Unternehmer, die als erstes diesen Wandel erkennen und für sich nutzen, werden meiner Meinung nach eine naselänge vorn sein. Aber Achtung, chinesische Investoren ticken ganz anders. Wer meint eine schnell Kohle machen zu können, der irrt.

Samstag, 17. Mai 2014

Warum sich Europa warm anziehen muss - Eindrücke aus Shanghai

Ich war wiedereinmal beruflich in Shanghai und hatte Möglichkeiten mich mit Investoren und China Experten vor Ort austauschen zu können. Meine Meinung über China bestätigt immer mehr. Ich sehe China schon heute in einem rapiden Wandel zu einem Hochtechnologie Land. Made in China wird in meiner Meinung mehr in wenigen Jahren zu einer Qualitätsmarke aufsteigen, auch wenn Korruption und Umweltbelastungen das Land noch in Atem halten.

Am 13. November 1922 besuchte Albert Einstein Shanghai. Es gibt davon ein tolles Bild im neuen China Art Museum. Dort entsteigt er gerade einer Rickshaw und hat soeben erfahren dass er den Nobelpreis gewonnen hat. Seit dem hat sich China stark verändert. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass chinesische Wissenschaftler eine Teststrecke für eine Supraleiter-Magnetschwebebahn aufgebaut haben, bei der ein Zug bis zu unfassbaren 2.900 km/h fahren soll. Das wäre  3x schneller als ein Passagierflugzeug.

Ich hatte auch die Möglichkeit mir die Errichtung des neuen Shanghai Towers, der mit 632 Meter Höhe und 128 Etagen, der höchste Turm Shanghais werden soll, von einer Architektin vor Ort erklären zu lassen. Nachdem Shanghai auf Schwemmland des Jang-Tse Flusses liegt und daher keine stabile Verankerung zum Untergrund zulässt, eine Zeichen höchster Ingenieurskunst.

Zu guter Letzt konnte ich nur mit Staunen feststellen, wie schnell und modern die Infrastruktur im Landesinneren hochgezogen wird. Chongqing, die größte Stadt der Welt, ca. 1.700 km westlich von Shanghai hat gerade vermeldet, dass sie den ersten Container von Gütern auf der Schiene von Chongqing nach Rotterdam in 14 Tagen erfolgreich vorgenommen hat. Eine unglaubliche Leistung, führt durch der Landweg quer durch Russland und halb Europa. Verglichen mit dem derzeitig genutzten  Seeweg eine Zeitersparnis  von geschätzten  3 Wochen und damit ein erheblicher Kosten- und Logistikvorteil für die Industrie vor Ort.

Nach Diskussionen mit über 30 Investoren und China Experten in Shanghai ist meine These, dass China sich immer mehr zum High-Tech Produzenten entwickelt und internationale Unternehmen und Know-How anzieht, bekräftigt worden. Konfrontiert mit dieser Einsicht hat ein führender Fondsmanager aus Deutschland es trefflich formuliert: " Nach meiner Rückkehr muss ich meine Assetallokation klar überdenken. Europa wird sich warm anziehen müssen um hier in Zukunft mithalten zu können!"